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| Märchensammlung
von Cécile Fricker |
| Gewidmet allen meinen Freunden
und jenen Menschen, die mich durch das Leben begleiten.
Cécile Fricker |
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Märchen
sind eine nie versiegende Quelle der Weisheit. Sie
sind wie ein Spiegel. Nur wer den Mut hat,
hineinzublicken, wird sich darin selber erkennen.
Copyright 2000 Cécile E. Fricker
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Hier die Ausschnitte meiner Märchensammlung.
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| Der Bergkristall
Es war einmal eine Trauerweide. Ihr Baumstamm war kräftig
und ihre Zweige hingen tief hinunter. Sie stand in einem
grossen Park irgendwo in London. Viele Menschen kamen
zu ihr und suchten Schutz. Manchmal umarmten sie die
Weide und sprachen mit ihr, fragten sie um Rat. Im Sommer
war der Park erfüllt von heiteren Kinderstimmen,
Vögel, die sich im Himmel trafen und den Weg gemeinsam
bis zur Weide flogen. Dort suchten sie ein geeignetes
Plätzchen für ihre Brutstätte. Es war
jedes Jahr ein emsiges Treiben. Im Frühling, wenn
die Natur erwachte, und alles anfing zu blühen.
Die Weide konnte so manche Geschichte erzählen.
Fröhliche aber auch traurige. Vor allem im Winter
konnte sie sich an Vieles aus vergangenen Tagen erinnern,
da sie sich dann zurückzog und neue Kräfte
sammelte.... mehr...
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| Rachel und ihr grösster
Wunsch
Es war einmal ein kleines Mädchen, das lebte in
einer grossen Stadt mit seinen Eltern. Es fühlte
sich unglücklich, denn seine Eltern zerstritten
sich. Immer öfter hörte es den Vater schimpfen
und die Mutter leise flüstern. So war es oft alleine
und auf sich gestellt. Die Jahre vergingen. Das Mädchen
lebte bei seiner Mutter, die für beide arbeiten
ging, um sich über Wasser zu halten. Die Mutter
war am Abend jeweils müde und konnte sich nicht
gross um das Mädchen kümmern, das sich auch
je länger je mehr unverstanden fühlte. Die
Schule gefiel ihr nicht besonders, das Lernen wurde
ihr zur grossen Last. Um diese Alltagssorgen ein wenig
zu vergessen, flüchtete sie sich in Träume,
die sie beglückten und ihr neuen Mut gaben. Manchmal
wachte sie des Morgens auf, noch ganz versunken in dieser
Traumwelt, die sie völlig eingenommen hatte....
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| Der alte Indianer
Es war einmal ein Indianer, der lebte schon viele Jahre
in den Bergen Nordamerikas. Seine Brüder und Schwestern
haben das Dorf vor der Sommersonnenwende verlassen und
sind nach Süden gezogen. Der Indianer, sein Name
war Starker Delphin, wohnte in einem Zelt. Er besass
ein Pferd und einen Hund. Im Sommer ritt er oft tagelang
durch die Gegend, übernachtete im Freien und lauschte
den Stimmen der Natur, wenn er einmal nicht schlafen
konnte. So hat er schon viele Abenteuer erlebt. Eigentlich
gefiel ihm dieses freie Leben, so ohne Hast. Sein einziger
Feind war der Grizzlybär, dem er aber glücklicherweise
selten begegnete.
Wie liebte er den Sommer, der nie zu heiss war. Oft
ging er hinunter an den Rotsee, löste das Kanu
vom Baum und ruderte hinaus in die ruhigen Gewässer.
Selbst bei Sturm floss das Wasser ruhig dahin... mehr...
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| Des Königs jüngste
Tochter
Es waren einmal ein König und eine Königin.
Sie lebten in einem herrlichen Schloss. Die beiden liebten
sich sehr und waren glücklich. Zu ihrem vollkommenen
Glück gehörten sechs Prinzessinnen. Eine war
hübscher als die andere. Die jüngste, genannt
Anina, war die hübscheste, aber auch die temperamentvollste.
Der König war ein guter, zärtlicher Vater
aber auch sehr streng. Er verbot seinen Töchtern,
das Schloss zu verlassen und mit seinen Untertanen zu
sprechen... mehr...
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| Die Rosenelfe
Es war einmal vor langer Zeit eine kleine Elfe. Sie
war die Tochter einer Blumenelfe und eines Erlkönigs.
Oft begleitete sie ihre Mutter zu den Blumen und half
ihr bei der Pflege. Wenn es Herbst wurde, gab es für
sie beide immer weniger zu tun und so suchten sie für
den Winter Schutz in einem Baum. Die Zeit verging im
Nu und die kleine Elfe wurde erwachsen. Sie war hübsch
anzusehen in ihrem blaugoldenen Kleid. Der Frühling
näherte sich und die Blumen zeigten schon voller
Freude ihre Knospen. Dies war für die Elfen jedesmal
das Zeichen, dass nun eine geschäftige Zeit angefangen
hatte. Bevor es aber soweit war, und sich alle Elfen
ihrer Aufgabe zuwandten, wurde ein grosses Freudenfest
gefeiert. Dieses Fest fand immer in der ersten Vollmondnacht
im Mai statt. Von überall her kamen die Elfen...
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| Sulina und der Aquamarin
Es war einmal ein kleines Mädchen. Ihr Name war
Sulina. Ihren Eltern gehörte ein Frachtschiff.
Ihr Vater steuerte das Schiff und so kamen sie an vielen
Häfen vorbei. Das Leben auf dem Schiff war sehr
abwechslungsreich, dennoch fühlte sich Sulina recht
oft einsam. Ihre Eltern hatten keine Zeit für sie.
Der Vater war jeden Tag viele Stunden am Steuer und
die Mutter war auf dem Schiff beschäftigt. Manchmal
musste Sulina mithelfen, aber für einige Arbeiten
war sie noch zu klein. Vier Stunden jeden Tag erhielt
sie Unterricht von einer Lehrerin. Sulina lernte sehr
gerne und war fleissig. Im Sommer, wenn der Unterricht
beendet war, begab sie sich auf's Deck. Sie setzte sich
auf eine kleine Bank und schaute den Wellen zu. Wie
liebte sie diese Momente. Ab und zu kam es vor, dass
ein paar Möwen sich zu ihr gesellten oder eine
Delphinschule aus dem Wasser auftauchte. Oft fing sie
einfach an, mit ihnen zu sprechen, obwohl sie nicht
wusste, ob die Tiere sie verstehen konnten oder nicht.
Sie wurden ihre besten Freunde. Vor allem die Delphine
erfreuten sie mit ihren tollen Sprüngen. Der Sommer
war für Sulina die schönste Zeit. Nur ging
er für sie immer viel zu schnell vorbei... mehr...
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| Larani, die Perlentaucherin
Es war einmal ein junges Mädchen. Es lebte mit
seiner Mutter auf einer Insel mitten im Pazifischen
Ozean. Die Einwohner nannten sie Larani. Sie ging sehr
oft im Meer schwimmen. Ihre Mutter mahnte sie zur Vorsicht,
denn die unergründlichen Tiefen des Ozeans bargen
grosse Gefahren. Larani war das einzige Kind. Ihr Vater
war schon einige Jahre tot und so wollte die Mutter
Larani nicht auch noch verlieren. Eines Tages schwamm
Larani wieder hinaus. Sie war so glücklich und
genoss die Erfrischung. Aber das Meer immer nur von
oben sehen, begann sie zu langweilen. Sie holte tief
Luft und tauchte hinab. Sie blieb so lange unten, bis
ihre Lungen wieder genug Sauerstoff benötigten.
Endlich einmal die Welt von einer anderen Seite kennenzulernen.
Es gefiel ihr so sehr, dass sie immer wieder an die
Oberfläche kam, tief Luft holte und dann in den
Fluten verschwand...
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| Wie der Betteljunge zu seiner
Identität fand
Es war einmal ein kleiner Junge. Er lebte in einem
Dorf irgendwo in Indien. Die Dorfbewohner nannten ihn
Indigo. Seine Eltern waren schon seit längerer
Zeit tot, so erzählte ihm ein alter Mann. Indigo
wusste nicht einmal, woher seine Mutter und sein Vater
stammten. Geschwister hatte er keine. Jeden Morgen ging
er von Hütte zu Hütte und bettelte um ein
wenig Nahrung. Das, was er dann bekam, reichte oft für
einen Tag oder manchmal auch länger... mehr...
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| Der heilende Gaukler
Es war einmal ein Gaukler. Er spielte für sein
Leben gern auf seiner Mundharmonika. So zog er von Ort
zu Ort und blieb dort eine Weile, bis er alle Ecken
und Plätze kannte. Die Menschen blieben stehen
und lauschten hingebungsvoll den schönen Melodien.
Sie fragten sich, wie dieser Gaukler einem so einfachen
Instrument so wundervolle Töne entlocken konnte.
Manchmal kam es auch vor, dass er von einem Zuhörer
zu sich nach Hause eingeladen wurde. Jedoch blieb der
Gaukler immer nur gerade so lange, bis ihn seine Sehnsucht
weitertrieb. Er konnte Zeit seines Lebens nie richtig
sesshaft werden. So lernte er auch viele schöne
Orte auf der Erde kennen. Überall fand er gute
Freunde... mehr...
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| Tobias und seine Weihnachtswünsche
Es war einmal ein kleiner Junge namens Tobias. Zusammen
mit seinem Vater und den fünf Geschwistern wohnte
er in einem kleinen Dorf ausserhalb einer kleinen Stadt.
Die Familie war nicht besonders reich. Die Mutter hat
die Kinder und den Vater schon sehr früh verlassen,
um ihr Leben in einer grossen Stadt zu verbringen, denn
die Stille in diesem Dorf konnte sie auf Dauer nicht
ertragen. Es wurde Dezember und Weihnachten stand vor
der Tür. Überall hingen bunte Lichter an den
Häuserfassaden und die leuchtenden Papiersterne
schmückten und erhellten jedes Fenster. Tannenbäume
wurden aufgestellt, die die Dorfbewohner mit goldenen
Schleifen und kleinen Lichterketten behingen. Alles
war bereit für das grosse Fest... mehr...
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| Der Santiglaus und seine
Helfer
Es war einmal ein Santiglaus mit Namen Theobaldo. Er
war nicht mehr ganz jung, aber noch immer ging er zu
den Kindern und verteilte die Geschenke. Es machte ihm
stets Freude, das Strahlen in den Kinderaugen zu sehen,
wenn er den Jutesack öffnete und anfing, die verschiedenen
Geschenkpäggli hervorzuholen. Und die Kinder sangen
ihm schöne Lieder, erzählten ihm kleine Geschichten
oder trugen ihm Värsli vor. Sein Herz wurde stets
weiter und zufrieden kehrte er dann jeweils mit seinen
Rentieren nach Hause zurück. Manchmal kam er erst
gegen Morgen ins Bett, denn es konnte spät werden.
Jedes Jahr gab es Arbeit. Und wenn er dann müde,
aber glücklich in seinen Schlitten stieg und die
Rentiere loszogen, schliefen die Kinder überall
schon tief und fest. So konnten sie denn auch nicht
sehen, dass er ganz traurig war. Bis zum nächsten
Besuch dauerte es ein ganzes Jahr und er vermisste die
Kinder sehr. Nach einigen Tagen jedoch war er wieder
ganz der alte und Vorfreude bemächtigte sich seiner.
Die Vorbereitungen nahmen seine ganze Zeit in Anspruch
und schnell wurde es wieder Dezember...
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| Nadja und der Christbaum
Es war einmal ein kleines Dorf im Schwarzwald. Dort
lebte in einem kleinen Haus am Waldrand ein Mädchen
namens Nadja. Sie war die Tochter eines Försters.
Schon vor einigen Jahren war die Mutter gestorben und
seither besorgte Nadja den Haushalt und begleitete auch
hin und wieder ihren Vater auf seinen Rundgängen
durch den Wald. Der Förster war überglücklich,
dass er eine so liebe Tochter hatte. Doch manchmal wurde
er sehr traurig wenn er sich vorstellte, was Nadja in
ihrem jungen Leben alles entbehren musste. Nicht einmal
ein richtiges Weihnachten konnten sie feiern, denn sie
waren sehr arm und hatten nicht viel Kontakt mit den
Bewohnern des Dorfes...
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| Samsara und der Sultan
Es war einmal eine Oase mitten in der Wüste Sahara.
Dort lebte ein Beduinenvolk in windstarken und dichten
Zelten, denn oft wütete ein heftiger Sandsturm
und wirbelte den Sand überall in die Ritzen. Unter
diesem Volk herrschte Frieden. Dieser war geprägt
von grosser Harmonie, Toleranz und Verständnis
füreinander. Jeder hatte seine Aufgabe, die er
so gut es ging, erfüllen wollte. Ein Beduine unter
ihnen hatte eine schöne Frau. Die beiden waren
überglücklich, als ihnen nach vielen Jahren
der Zweisamkeit endlich eine Tochter geboren wurde...
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