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Bewusst Reisen / Verhaltenstips
Bewusst reisen
Was Reisende über Landessitten und Gebräuche wissen sollten
Arabischer / islamischer Raum
Männer begrüssen Männer, Frauen die Frauen. Nach dem Händeschütteln führt man die Hand ans Herz. Bedeutung: Der Gruss kommt von Herzen. Beim Betreten eines Wohnzimmers bleiben die Schuhe draussen. Gilt auch beim Moschee-Besuch.
Wer drei Tassen Tee erhält, ist akzeptiert und kann zum Abendessen blieben. Nur mit der rechten Hand essen, die linke ist tabu, denn sie kommt auf der Toilette zum Einsatz. Ein Rülpser nach dem Essen, gefolgt von einem "Hämdulillah" (Gott sei Dank) erfreut den Gastgeber. Die ersten ein bis zwei Stunden keine persönlichen Fragen diskutieren. Sich nicht nach der Ehefrau erkundigen, höchstens nach den Kindern. Vorsicht bei intensiver Betrachtung von schönen Gegenständen im Haus: Der Gastgeber könnte sich verpflichtet fühlen, sie dem Gast zu schenken.
Marokko: Nach dem Tod von König Hassan II. darf in der Öffentlichkeit kritisch über Politik und das Königshaus diskutiert werden. Wird von den Marokkanern bereits intensive genutzt.
Saudi-Arabien: Frauen dürfen nicht selber Auto fahren. Männer sollten den Blickkontakt mit Frauen nicht suchen. Kleidung: keine Shorts für Männer, denn kurze Hosen werden als Unterhosen betrachtet. Frauen sollten möglichst keine Haut, ausser dem Gesicht, zeigen.
Libyen: Vorsicht beim Fotografieren von Öleinrichtungen, sogar das Verwaltungsgebäude einer Ölfirma kann tabu sein. Heute, dreissig Jahre nach Khatafis Revolution, können politische Fragen in der Öffentlichkeit diskutiert werden.
Jemen: Gastgeber sind für ihre Gäste verantwortlich, auch ausserhalb des Hauses. Damit die Ehre des Gastgebers nicht verletzt wird, sollte man seine Anweisungen befolgen. Kinder lassen sich gerne fotografieren, bei Erwachsenen bittet man um Erlaubnis. Das führt allerdings oft dazu, dass sich die Jemeniten nur in gestellter Pose fotografieren lassen.
Asien
Lächeln hilft immer. Begrüssung ohne Händeschütteln. Niemanden am Kopf berühren, besonders Kinder nicht. In Tempeln und Pagoden bleiben die Schuhe draussen. Im Innern im Uhrzeigersinn gehen, auch beim Umrunden von Stupas (Kultbauten). Ausnahme: linksherum in Anlagen der Bön-Religion, Tibet. Setzt man sich, so dürfen die Fusssohlen nicht auf Buddhastatuen oder auf andere Menschen gerichtet sein. In den meisten asiatischen Ländern werden während des Essens keine grossen Gespräche geführt, erst danach. Essstäbchen bei einer Esspause nie senkrecht in die Reisschale stecken: Symbol des Todes! Man legt sie immer daneben und am Schluss quer über die Schale. Wer einen Teller leert, signalisiert, dass er noch hungrig ist. Sofort wird nachgefüllt. Hat man genug gegessen, lässt man einen Rest stehen. Das gibt dem Gastgeber Gesicht, denn es bedeutet, dass er mehr offeriert, als der Gast essen kann. Gilt auch für Getränke. Geschenke eingepackt mitbringen (Ausnahme: Früchte, Lebensmittel) und nicht warten oder drängen, bis sie geöffnet werden. Sie werden erst geöffnet, wenn der Gast gegangen ist. So ist die Gefahr des gegenseitigen Gesichtsverlustes ausgeschlossen, sollte das Geschenk nicht gefallen oder als zu klein taxiert werden. Blumengeschenke sind willkommen, jedoch nie mit weissen Blüten, denn diese sind nur bei Todesfällen angebracht. Nasse Wäsche, besonders Unterwäsche, zum Trocknen niedriger als in Kopfhöhe aufhängen.
Thailand, Laos, Burma, Sri Lanka, Vietnam, Kambodscha: Frauen sollten Körperkontakt mit buddhistischen Mönchen vermeiden, keinen Blickkontakt suchen und trotzdem nicht überrascht sein, wenn Mönche manchmal genau dies tun. Die Neugier ist oft starker als die Mönchsregeln.
Japan: Begrüssung mit leichter Verneigung, die man sich als Europäer nicht gewohnt ist. Doch schon nach ein paar Tagen Japan gehts wie von selbst. Händeschütteln gewinnt an Popularität. Sehr geschätzt wird, wenn man dem Namen des Begrüssten die ehrende Silbe "San" anhängt. (Bsp. Hello Mister Noguchi-San, Meier-San). Visitenkarten zweihändig entgegennehmen und sofort aufmerksam lesen. Japan ist das Land des Schuhwechselns: Für jeden Raum gibt es andere Schuhe, die üblicherweise vor der Türe bereitstehen - benutzten! In den Nudelsuppen-Bars sollte man schlürfen, will man besorgte Fragen des Koches vermeiden, der sonst vermutet, die Suppe schmecke nicht.
Indonesien: In Bali ist eine korrekte Tempelbekleidung, ein Hüftschal und manchmal ein Sarong (Hüftwickeltuch), Pflicht. Vorsicht in Java oder auf abgelegenen Inseln, wenn Sie jemandem Feuer für die Zigarette geben: Je nach Handhabung der Streichhölzer wird vom Raucher manchmal vermutet, es sei schwarze Magie im Spiel und er werde verzaubert. Besonders in der gespannten Atmosphäre der letzten Zeit wird manchmal sehr heftig darauf reagiert - "Amok" ist ein indonesisches Wort. Am besten gibt man dem Raucher die Streichholzschachtel, damit er sich selber bedienen kann.
Russland / Osteuropa
Wird einem Tee angeboten, so sollte zuerst abgelehnt werden. Erst beim dritten Angebot annehmen. Bei alkoholischen Getränken gehört ein Trinkspruch unbedingt dazu. Die ersten Wodka-Runden sollten ex und hopp getrunken werden. Bevor man eine Privatwohnung verlässt, setzt man sich, zusammen mit dem Gastgeber, in Türnähe noch einmal für ein paar Minuten hin. Erst danach erfolgt der Abgang. Vorsicht mit Kritik an Stalins Taten bei Georgiern: Heftige Ablehnung und Unverständnis schlagen dem Gast entgegen.
Schwarzafrika
Den riesigen Kontinent, der von sehr unterschiedlichen Volksgruppen bewohnt wird, hier einigermassen zufriedenstellend zu behandeln, ist unmöglich. Deshalb nur ein paar sehr allgemeine Regeln: Bei der Begrüssung den Augenkontakt vermeiden. Fragen nach schwarzer Magie sind tabu. Männer dürfen alles essen, Krokodile und Boas sollten von Frauen nicht verzehrt werden, es könnte sie böse machen.
Nordamerika
Amerikaner öffnen ihre Arme, bildlich ausgedrückt, weit für Fremde aus Europa, schliessen sie aber nicht zur Umarmung: Kontakte bewegen sich zwischen Offenheit und Oberflächlichkeit. Pünktlichkeit wird geschätzt. Vorsicht und Fingerspitzengefühl sind gefragt beim Verteilen von Komplimenten - damit eine Klage wegen sexueller Belästigung vermieden werden kann!
Südamerika
Die Christianisierung hat den Kontinent stark geprägt, religiöse Rücksichtnahme ist wichtig. Zum Beispiel: angemessene Bekleidung (keine Shorts) bei Kirchenbesuchen. In mehreren Ländern bei Trinken einen Rest im Glas lassen und auf den Boden schütten, für Pacha Mama, Mutter Erde (Ecuador, Bolivien, Peru). Beim Anstossen vor dem Trinken, bei dem sich üblicherweise Europäer in die Augen schauen, sollten Frauen, die mit einheimischen Männern anstossen, den Blick abwenden, wenn sie nicht falsch verstanden werden wollen.
Verhaltenstips
Geduld
Wer andere Kulturkreise bereist, tut gut daran, sich auf neue Zeitbegriffe einzustellen. Den Satz "Zeit ist Geld", der uns im westlichen Arbeitsalltag auf Schritt und Tritt begleitet, lässt man mit Vorteil zu Hause. Andere Völker haben oft andere Zeitbegriffe, und eine Reise kann auch eine Chance sein, anderen Lebensrhythmen zu begegnen und dabei vielleicht den Reiz der Langsamkeit wieder zu entdecken.
Rücksichtnahme
Als Besucher sollten wir uns dem Reiseland anpassen und dabei die Gefühle und Lebensweise der gastgebenden Bevölkerung respektieren. Diese Haltung kann schon vor der Abreise einfliessen: Wer sich gut vorbereitet und mit den zu besuchenden Ländern auseinender setzt, schafft gute Voraussetzungen für einen bewussteren Umgang mit fremden Menschen und Kulturen.
Sprachen
Nur schon "guten Tag" und "danke" in der jeweiligen Landessprache sagen zu könne, macht Begegnungen einfacher. Von jedem Taxifahrer oder Kellner rund um den Globus zu erwarten, er müsse Englisch (oder gar Deutsch) sprechen, ist eine Anmassung.
Kulturschock
Sehr empfehlenswerte Bücher zum Thema sind im Reise Know-How Verlag Peter Rump erschienen. In der Reihe "Kulturschock" gibt es mittlerweile eine ganze Anzahl von Titeln, die jeweils einem Land oder einem Thema gewidmet sind (z.B. Mexiko, Russland, Pakistan, Indien, Japan, Thailand, Vietnam, China, Ägypten oder Islam). Die Bücher beschreiben weniger bekannte Seiten und Hintergründe eines Landes und geben damit wichtige Anregungen, die einen Einstieg in fremde Kulturen erleichtern.
Religiöse Stätten
Beim Besuch von Tempeln, Schreinen, Stupas, Moscheen und anderen Heiligtümern sollte respektvolles Auftreten eine Selbstverständlichkeit sein. Solche Stätten betritt man immer ohne Schuhe, buddhistische Schreine auch ohne Kopfbedeckung, Moscheen und andere muslimische Heiligtümer hingegen nur mit Kopfbedeckung. In viele Hindutempel dürfen keine Ledersachen (z.B. Gürtel, Taschen usw.) mitgenommen werden. Religiöse Gegenstände wie Gebetsfahnen oder Götterfiguren, aber auch Opfergaben sollten nie berührt werden. Speziell heilige Räume von Tempeln sind für Touristen oft nicht zugänglich.
Fotografieren
Es gilt zu bedenken, dass durch aufdringliches und ungefragtes Fotografieren die Gefühle der gastgebenden Bevölkerung verletzt werden können. Stellt euch vor, wenn ihr als unfreiwillige Fotomodelle aus allen (un)möglichen Blickwinkeln abgelichtet würdet... Deshalb sind Zurückhaltung und Sensibilität vor allem in ländlichen Gebieten sowie bei religiösen Anlässen und in islamischen Ländern geboten. Ein Mensch fühlt sich weniger als "Objekt", wenn zuerst das Gespräch mit ihm gesucht und allenfalls die Erlaubnis für ein Bild einholt wird.
Einkaufen / Feilschen
Einkaufen in den Ferien und auf der Reise macht Spass. Wir kommen in Kontakt mit Einheimischen und können viel über die Kultur des Landes, über die Menschen und ihren Alltag erfahren. Dabei kommen wir nicht ums Feilschen herum. Es sollte aber nicht darauf hinauslaufen, den Preis möglichst tief zu drücken, denn beim Feilschen geht es auch um das Gespräch und den sozialen Kontakt. Ziel sollte sein, einen für beide Seiten fairen Preis auszuhandeln. Souvenirs aus einheimischem Handwerk machen nicht nur uns Freude, sie unterstützen auch direkt die Menschen und ihre Traditionen im Rieseland.
Betteln
Wer in einem Entwicklungsland einem arbeitsunfähigen Bettler ein Almosen gibt, handelt sicher nicht falsch. Kindern und Jugendlichen sollte jedoch kein Geld gegeben werden, denn das kann zur Zerstörung der familiären und sozialen Strukturen führen. Ein bettelndes Kind "verdient" in einem Tag leicht mehr als seine arbeitenden Eltern in einer Woche. Aus diesem Grund werden viele Kinder von ihren Eltern zu Mitleid erheischenden Bettelkindern "abgerichtet" und auf Touristen angesetzt. Damit werden sie auch von Schule und Berufsausbildung ferngehalten. Manchmal operieren Bettler auch mit gefälschten Briefen einer Amtsstelle oder Organisation, die ihre Tätigkeit angeblich legitimiert.
Unaufdringliche Bettler sitzen vielfach vor Heiligtümern und werden auch von den Einheimischen unterstützt.
Drogen
Auf Drogenhandel, aber auch schon auf Drogenbesitz stehen in vielen Ländern sehr harte Strafen. Schon kleine Mengen könne zu langen Gefängnisstrafen führen (z.B. in Thailand und auf den Philippinen lebenslänglich; in Indien bis zehn Jahre). In Malaysia werden Drogendealer nach wie vor zum Tod verurteilt.
Im Gegensatz zur Schweiz gelten in den meisten Ländern auch Hanfprodukte (Haschisch, Marihuana, Hanfsamen) als harte Drogen, deren Besitz mehrjährige Gefängnisstrafen nach sich zeihen kann.
Kleider
Saubere Kleidung wird nicht nur in der ganzen Welt positiv anerkannt, sondern ganz besonders in den Entwicklungsländern Asiens und Afrikas. ärmellose T-Shirts, Shorts bei Männern und durchsichtige Blusen bei Frauen sind besonders in ländlichen Gegenden nicht gerne gesehen - ausser am Strand. Wenn Frauen, die sich im islamischen Raum bewegen, nicht adäquat gekleidet sind, kann dies als Provokation empfunden werden und zu unerwünschten Annäherungen führen. Oben-ohne-Baden oder sogar Nachtgehen ist an den misten öffentlichen Stränden ausserhalb Europas nicht akzeptiert.
Ökologie
Auf Reisen sollte man sein Umweltbewusstsein mit im Gepäck haben. Denn gerade die bei Globetrottern beliebten Reiseziele verfügen nicht über die Infrastruktur, um mit dem Zivilisationsmüll fertig zu werden. Entsprechend liegt es an uns Reisenden, in Sachen Ökologie aktiv mitzudenken und zum Beispiel Strände, Trekkingrouten usw. schon aus Eigeninteresse sauber zu halten. Auf eine Problematik sei speziell hingewiesen: In den meisten exotischen Destinationen ist sauberes Trinkwasser ein eher rares Gut. Wer da statt eines Vollbades unter die Dusche steht, hilft bereits aktiv Trinkwasser Sparen.
von Globetrotter Travel Service
Infos zu "Bewusst reisen"
Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung
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