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Leben im Ausland
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Badezimmer mit Meeresrauschen
Viele Traveller träumen davon, sich an einem fernen Ort dauerhaft niederzulassen. Der Weg in die neue Heimat ist allerdings oft mit Stolpersteinen gepflastert.
"He, hier möchte ich für den Rest meiner Tage sesshaft werden!" Welchem Globetrotter, welchem Reisenden ist dieser Gedanke nicht schon an einem fernen Traumstrand, an einem unberührten See oder einem idyllischen Dörfchen in den Sinn gekommen?
Diesen Traum haben sich über 100000 Nord- und Mitteleuropäer in den Mittelmeerländern erfüllt. Sie haben nasskalte Witterung, Berufsstress und hohe Lebenshaltungskosten gegen laue Sommerabende, Dolcefarniente und herzliche Freundschaften mit Einheimischen eingetauscht. Bis ein solcher Traum allerdings Wirklichkeit werden kann, gilt es einige Hürden zu überwinden.
In vielen Ländern sind Fremde als Touristen sehr willkommen, wollen sie aber Dauergäste werden, gelten strenge Gesetze. Die Einwanderer bringen nämlich nicht nur Erfreuliches mit sich: Die Behörden der Kanarischen Inseln beispielsweise werden immer wieder mit verarmten und kranken Mitteleuropäern, die zu Fürsorgefällen werden, konfrontiert. Einige Länder verlangen deshalb von den Immigranten den Nachweis eines Vermögens in bestimmter Höhe oder aber eines regelmässigen Einkommens.
Konsequenzen bedenken
Gemäss Expertenrat sollte ohnehin nur, wer über einen genügenden finanziellen Spielraum verfügt, im Ausland Wohneigentum kaufen. Die tieferen Grundstückpreise und Lebenshaltungskosten können nämlich rasch einmal durch happige Verschreibungsgebühren, Versicherungskosten und Steuern, die in verschiedenen Staaten sehr viel höher sind als in der Schweiz, mehr als wettgemacht werden. Vorsicht auch bei Schnäppchenangeboten: In entsprechender Stimmung lässt man sich rasch einmal zu einer Unterschrift unter einen Kaufvertrag überreden, ohne dessen weitreichende Konsequenzen gründlich zu kennen. Was bei einem kurzen Aufenthalt als Idylle erscheint, kann sich bei längerer Beachtung zum abgelegenen, langweiligen Kaff wandeln. Das baufällige Bauernhaus das ein Schweizer Bildhauer preiswert in Frankreich kaufte, zerfällt immer Mehr: "Wenn man nicht ständig neben den Handwerkern steht, klappt gar nichts und alles von der Schweiz aus zu organisieren ist viel zu kompliziert", meint er heute entnervt und resigniert.
In vielen Ländern gelten grundsätzlich alle Schweizerinnen und Schweizer als sehr reich. Zwielichtige Immobilienmakler versuche, ein Stück dieses vermuteten Reichtums mittels fürstlichen Provisionen für sich zu ergattern. Vor dem Erwerb eines neuen Zuhauses im fernen Ausland sollte man die Bauqualität durch eine unabhängige, anerkannte Fachperson sowie das Preis-Leistungsverhältnis umfassend prüfen lassen (die Auslagen für die Expertin oder den Experten ersparen unter Umständen viel schmerzhaftes Lehrgeld).
Fragen wie zuverlässig Wasser- und Stromversorgung, Abwasserreinigung, Müllentsorgung sowie auch die Heizmöglichkeiten sind, können in einzelnen Regionen zu einem sehr wesentlichen Faktor werden; in diesem Bereich liegt die Schweizer Infrastruktur weit über dem gängigen Durchschnitt. Auch über allfällige Risiken wie Erdbeben, Hurrikans oder Hochwasser muss man sich gründlich informieren. Weiter Unannehmlichkeiten drohen: Schweizer Zuwanderer entdeckten schon ganz plötzlich eine Autobahnbaustelle oder eine neuen Hochspannungsleitung in nächster Nähe ihres Eigenheims. In vielen Regionen muss man sein Domizil auch gegenüber Einbrechern sehr gut schützen können.
Neue Freunde finden
Nicht nur ein respektables finanzielles Poster gehört für Auswanderungswillige zu den Grundbedingungen. Auch die neue Heimat sollte man bereits sehr gut kennen: "Je besser Sie über das Zielland und die dortigen Verhältnisse informiert sind, desto problemloser wird später die Integration verlaufen." Rät der Beobachter-Redaktor Norbert Winistörfer.
Der beste Weg, um sich zu akklimatisieren, sind einige längere Aufenthalte zu unterschiedlichen Jahreszeiten, in denen man sich mit Land und Leute und der Witterung vertraut macht. Tropische Regenzeit, Insekteninvasionen oder ständiger Mistral sind nicht jedermanns bzw. -fraus Sache und können unter Umständen bereits vorhandene gesundheitliche Beschwerden verschlimmern.
Zum leichteren Wurzelschlagen am neuen Ort gehört aber auch, dass man die dortige Sprache ziemlich gut beherrscht; der Verkehr mit den Behörden und auch die Kontaktaufnahme mit den neuen Nachbarn gestaltet sich so bedeutend einfacher. "Wer die Sprache erst im Land lernen will, findet erfahrungsgemäss meistens genug Ausreden, es nie zu tun - und wird als Sprachloser in der Einsamkeit versinken," warnt Winistörfer. Tatsächlich schaffen es einzelne Neuzugänger auf den Kanarischen Inseln nicht, neue Kontakte zu knüpfen und verbringen ihre Tage isoliert vor dem Fernseher.
Ein neuer Lebensrhythmus
Wer sich aber mit den Einheimischen verständigen kann, wird auch rascher deren Sitten verstehen, denn das Einstellen auf ein anderes Wertsystem ist ein weiterer wichtiger Schritt zu einer erfolgreichen Integration. Manche Zuzüger erlebten schon eine herbe Enttäuschung, wenn sie nicht mit offenen Armen empfangen wurden, sondern nach Jahren noch "die Fremde" oder "der Ausländer" waren.
Oft muss man sich an ein neues Zeitverständnis gewöhnen: In einzelnen Staaten beispielsweise drehen sich die Mahlsteine des Staates noch immer sehr gemächlich. Wer beim x-ten Behördengang die Nerven verliert und sich lautstark über die arbeitsscheuen Beamten beschwert, die schon wieder oder noch immer in der Mittagspause sind, wird es unter Umständen schwer haben, sein Image als arroganter Geldsack wieder loszuwerden.
Auch der Umgang mit Handwerkern verlangt Sprachkenntnisse und Verhandlungsgeschick, um nicht zuerst Monate auf Mauerer oder Installateure warten zu müssen und schliesslich noch bei der Rechnung übervorteilt zu werden. Eine zentrale Frage sind natürlich auch die Arbeitsmöglichkeiten, viele Länder sind mit Arbeitsbewilligungen für Ausländer sehr zurückhaltend.
Nicht nur der virtuose Kampf mit Bürokraten und Formularen ist eine der Grundvoraussetzungen zur erfolgreichen Assimilierung, auch weitere Fragen gibt es zu klären: Die medizinische Versorgung ist zentral wichtig. Ohne eine Zahnarztpraxis oder ein Spital von akzeptabler Qualität in der Reichweite kann das neue Domizil zum Risiko werden. Damit im Zusammenhang steht natürlich auch die Kranken- und Unfallversicherungsfrage. Wer übernimmt allfällige Behandlungskosten am neuen Ort? Ist die internationale Krankenversicherung die preiswerteste Lösung? Im Weiteren: wie steht es mit den Einkaufmöglichkeiten? Gibt es ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz oder sind die Strassen eine tägliche Zumutung für das eigene Auto?
Standbein in der Schweiz
Selbst ständige Strandspaziergänge können auf Dauer langweilig werden, deshalb sollte man sich über ein erfüllendes Hobby Gedanken machen, denn allzu viel unorganisierte Zeit kann zu Beziehungsproblemen führen. Ein grosses Kontaktnetz am neuen Ort ist zentral wichtig, denn die Verbindung mit den Freunden und den Angehörigen in der Heimat wird schwieriger. Jeder Besuch und jede Familienfeier ist mit einer langen Autofahrt oder einer Flugreise verbunden und diesen Aufwand nimmt man nicht so leicht auf sich. "Wer es sich auch nur irgendwie leisten kann, sollte in der Schweiz eine Wohnmöglichkeit behalten," rät Norbert Winistörfer. Er glaubt, dass "die Option, jederzeit in die Schweiz reisen zu können, schon aus psychologischen Gründen Gold wert ist."
Artikel von Adrian Zeller aus Globetrotter-Magazin Nr. 60 Sommer 2001
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