Reisen
 

Die Suche nach Artus |
Datum: Mai / Juni 2001 |
Dauer: 2 Wochen |
Strecke: 8000 km |
Wer: Georg |
Wie: mit meiner Kawasaki ZZ-R 1100 |
Route: Basel, Avallon, Le Mans, Le Mont St. Michel, Calais, Dover, Plymouth, Bath, Swansea, Carlisle, Edinbourgh, Inverness, London |
Links: England
- Fremdenverkehrsbüro
- English Heritage
- National Trust |
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Reisebericht über Südengland
Auf den Spuren einer Legende
Es ist Morgen und wie immer hätt' ich doch noch so gerne weitergeschlafen. Aber nix da, ein weiterer spannender Tag erwartet mich.
Ich bin gerade in Gedanken an den gestrigen Tag versunken, während ich mir das Frühstück, 'English Breakfast' versteht sich, mache, als mich ein plötzliches, aufgeregtes "Hey, come on! Look the sea!" aufschrecken lässt. Was ist denn los? Ich haste die fünf Meter bis zur Klippe ins Freie ... und mir stockt der Atem: Das Meer ist wie ausgewechselt. Gestern machte ich noch viele Fotos von der hübschen kleinen Insel, die dort wie ein Zahn aus dem Meer ragt, und dem romantischen Sonnenuntergang. Ich stehe hier rund 20 Meter über dem Meeresspiegel, doch ... und wieder zücke ich meine Kamera und fotografiere diese Insel, wie sie diesmal aber nicht aus einem Meer aus Wasser ragt, sondern aus einem unendlichen Meer aus Nebel. Phantastisch!
Dicker Nebel herrscht auch an der Küste des naheliegenden Städtchens Tintagil, wo ich mir die Burgruinen der Geburtsstätte König Artus' anschauen möchte. Mystisch tauchen nur ab und zu zwischen zwei Nebelschwaden ein paar Zinnen auf. Zuviel Phantasie wird einem hier nicht bekommen! So hautnah lassen sich in Südengland Legenden erleben. An den Legenden geniesse ich das Geheimnisvolle und Unbekannte. Unzählig sind die Stätten in Südengland und Cornwall, die von der Legende um König Artus und seinen Tafelrittern zeugen.
Eine Woche zuvor auf dem Ärmelkanal, als die Fähre in der abendlichen See ruhig vor sich her schaukelte, wusste ich nichts von den Spannenden Erlebnissen, die mich erwaten werden. Ahnungslos bleibt mein Blick gebannt in der Ferne haften. Die gleissend weissen Kreidefelsen glitzern in der Abendsonne. Sie werden grösser und grösser, bis sie mich zu überragen und auf mich herunterzufallen drohen. In der Grafschaft Kent betrete ich britischen Boden. Ich steige auf mein Motorrad und nun heisst es aufgepasst im Verkehr.
Die kurze Fahrt von Dover nach Canterbury muss mir vorerst für die Gewöhnung an den Linksverkehr genügen. Anstatt den direkten Weg über die A2 nehme ich besser den viel kurzweiligeren Weg über Sandwich, Heimatstadt des Grafen von Sandwich, der anscheinend diese belegten Brötchen erfand. Nach dem reichhaltigen Morgenessen, das man überall in England bekommt, fühle ich mich gestärkt für die Besichtigung. In Canterbury finde ich eine wunderschöne, stilechte Altstadt. Die Klosteranlage mittendrin, die immer noch als Universität dient, ist noch vollständig erhalten und beeindruckt mich sehr. Hier soll also König Artus gekrönt worden sein.
Weiter geht's auf meiner Kawa ZZ-R der Küste entlang. Ich komme kaum zum Fahren, immer wieder lässt es die schöne Landschaft nicht zu einfach weiterzufahren. Auch hier finde ich unzählige Spuren dieses Königs. Ja, hier würde ich mich auch niederlassen! Auf meinem Weg in den Westen komme ich bei Hastings vorbei. Nördlich davon, bei Battle, besuche ich den Kampfplatz von Hastings. Sehr eindrücklich erlebe ich die Geschichte dieses Ortes: Wilhelm I der Eroberer, ein normannischer Graf, hat hier seine Ansprüche auf England erfolgreich erfochten. Mit ihm begann eine neue Zeitepoche, die gerne mit der von König Artus verglichen wurde.
In Eastbourne, genauer am Beachy Head, begegne ich wieder, und noch eindrücklicher als in Dover, den weissen Kreidefelsen. Aber Achtung! Nicht zu nahe an die Felsen, es ist wohl schon mancher Ritter dort bei einem Felssturz umgekommen!
Die Städte sind für mich als Motorradfahrer schweisstreibend, da zu verkehrsüberladen. So umfahre ich sie meistens und werde dafür mit weiteren schönen Kurvenstrassen belohnt. Zwei Städte lasse ich mir aber doch nicht entgehen: Brighton mit seinem Palace Pier, dem Brunswick Square und dem Royal Pavilion und Winchester mit seiner Winchester Cathedral, dem Winchester College und der Great Hall von Henry II. In der Great Hall bestaune ich ein Duplikat der Tafelrunde von König Artus, das soll ja die Tafel für die edle Gesellschaft gewesen sein. Winchester galt laut Geschichteschreiber Malory, der im 14. Jahrhundert in England gelebt und zur literarischen Unsterblichkeit von Artus wesentlich beigetragen hat, als Camelot, dem Regierungspalast des Königs.
Für den Nationalpark New Forrest südlich von Southampton habe ich mir fast zu wenig Zeit eingeplant. Denn hier ist man der Natur so nahe, verschiedenste Tiere kann ich erspähen. Alle die Strassen des saftigen Waldes und die der nach Ginster duftenden Heideflächen zu erkunden, kann eine Sucht werden.
Auf dem Weg nach Exeter und auch in Cornwall begegnen mir hin und wieder auffällige rote Fahnen auf Feldern oder Hügeln. Bald begreife ich ihre Bedeutung: sie zeigen Übungsplätze für das Militär an, die man nicht betreten darf.
Zwischen Exeter und Plymouth erstreckt sich der 945 Quadratkilometer grosse Nationalpark Dartmoor. Ein Abstecher hat sich allemal gelohnt. Ich erlebe, wie schön die rauhe Natur sein kann. In Dartmoor leben so wenige Menschen pro Quadratkilometer, wie sonst nirgends in Grossbritannien. Die Gegend ähnelt den Highlands von Schottland und hat Steigungen bis zu 30% (!) wie im Lake District. Hier kann ich mit dem Motorrad uneingeschränkt durch die schöne Landschaft der Hochebene mit ihren weiten Heideflächen kurven und eine Vielzahl an Tieren beobachten. Aufpassen muss ich immer wieder auf die vielen Schafe, die sich die Strasse als bequemen Aufenthaltsort aussuchen, im Gegensatz zu den scheuen Wildponies!
Ab Plymouth zieht es mich wieder unwiderstehlich dem Meer entlang. Während im Landesinnern das typische englische Wetter seine uneingeschränkte Macht ausübt, ist es am Meer wie meistens schön. Dazu komme ich als Motorradfahrer voll auf meine Kosten und kann mich wirklich nicht über zu wenige Kurven beklagen. Herrlich! Ich nehme eine Kehre nach der anderen und falle beinahe in einen Rausch.
Häufig versperrt mir eine Meerzunge den Weg, was aber kein Grund zur Betrübnis ist, denn es gibt überall die Fährverbindungen, die bis zu minütlich gehen und für Motorräder viel billiger, oder gar gratis sind. Hier in Cornwall gibt es sie noch, die kleinen verträumten Strässchen ohne jeglichen Verkehr, kombiniert mit schöner Hügellandschaft und den für Südengland typischen Heckenzäunen. So erreiche ich, zufrieden mit mir und der Welt, die Nordküste Cornwalls und damit Tintagil, den Geburtsort König Artus‘. Sofort nach Ankunft weiss ich, inmitten dieser schroffen, urtümlichen Klippen muss ich mein Nachtlager finden, auch wenn es noch zu früh für die Nacht ist. Ein gutes Pub habe ich dann auch gefunden und lasse mir das herrliche Essen nach einem ereignisreichen, anstrengenden Tag munden. Man kann sich entweder im beeindruckenden Palasthotel oder der kleinen sehr hübschen Jugendherberge direkt am Meer einquartieren. Auf einer Halbinsel stehen noch die Überreste einer stolzen, beinahe uneroberbaren Feste. Der ganze Ort wartet mit Souvenirs von König Artus auf.
König Mark von Cornwall regierte auf dieser uneinnehmbaren Festung. Der Grosskönig von England, Uter Pendragon, verliebte sich aber unsterblich in die bildschöne Igraine, die Gemahlin des abtrünnigen König Mark. Bei der sinnlosen Belagerung von Tintagil bat Uter den uralten und weisen Ratgeber Merlin um Hilfe. Merlin versprach zu helfen, wenn Uter ihm seinen Erstgeborenen aus der Verbindung zu Igraine versprach. So konnte Uter in Gestalt Marks zu Igraine vordringen, während Mark bei einem Ausfall ums Leben kam. In dieser schicksalhaften Nacht wurde Artus, der grösste König Englands gezeugt. Uter musste später seinem Versprechen nachgehen und entriss den kleinen Artus seiner Gemahlin, um ihn Merlin zu übergeben.
Zurück in der Realität führt mich der Weg weiter durch einen neuen, geheimnis- und eindrucksvollen Naturpark nach Glastonbury in Somerset. Auf dem Tor, dem Grabhügel von König Artus, steht der einsame, windumsauste Glockenturm des einstigen Klosters von Glastonbury und trotzt noch als einziger Zeuge vergangener Jahre der Zeit. Der Aufstieg auf den 518 m hohen Hügel lohnt sich, die Ausblicke beeindruckt mich ebenso sehr, wie den Pan European - Fahrer, der mit mir heraufgekommen ist.
Das Wetter ist gut, und ich sehe Bath im Norden. In der Nähe von Bath besiegte Artus endgültig die ewig einfallenden Sachsen und erholte sich dann in den wohltuenden Bädern dieser Stadt. Ganz Bath ist ein Freilichtmuseum, die ganze Stadt ein Weltkulturerbe, wo es unzählige interessante Sehenswürdigkeiten gibt. Ich lasse meinen 'Pferden' freien Lauf, durchziehe die Ebene von Salisbury nach Cadbury nahe Amesbury, dem Regierungssitz König Artus‘, bis zu den noch viel, viel älteren Monumenten von Avebury, Uffington (White Horse) und Stonehenge.
Noch mehr zu sehen bei einer solchen Dichte an schönen Bauten, alten Monumenten und abwechslungsreicher Landschaft wäre zuviel des Guten!
Zufrieden und ausgefüllt mache ich mich auf den Weg nach Dover, manchen Umweg nehmend über schönste Kurvenstrassen. Hier geht's wieder dem 'Kontinent‘ und Richtung Heimat zu, fort von der Insel voller Legenden und Schönheiten, die mich immer begleiten wird.
Allgemeines: |
England mag als Reiseland rundum überzeugen. Immer wieder fand ich die richtigen Strässchen, wie geschaffen für einen Motorradfahrer. Die Strassen sind in sehr gutem Zustand und Laub fand ich nie auf der Strasse, obwohl alle traditionsgemäss von Büschen gesäumt werden. Der Linksverkehr sollte keine Probleme geben. Beim Abbiegen und bei Ausfahrten sollte der Neuankömmling allerdings aufpassen. Der einzige Minuspunkt an England ist der für uns schlechte Wechselkurs, der dieses Land zu einem teuren Reiseland macht. |
Reiseroute: |
Die ganze Strecke beträgt ungefähr 2000 km, sie ist abwechslungsreich und birgt manchen fahrerischen Leckerbissen. Man sollte je nach Fahrstil ca. 2 Wochen einplanen. |
Reisezeit: |
England ist zu jeder Jahreszeit befahrbar. Empfehlenswert sind aber die Monate vom April/Mai bis September/Oktober. Juli und August sind Schulferien in England, wenn es sich machen lässt sollte man die Ferien nicht dann planen, da in diesen Monaten die Ferienorte häufig überlaufen sind. |
Anreise: |
Anfahrt über Frankreich oder Belgien nach Calais (hier die kürzeste Fährverbindung oder der Eurotunnel). Von allen grösseren Hafenstädten von Frankreich, Belgien und Holland gibt es Fährverbindungen nach England (www.faehre-vff.de). Für die Einreise wird nur der Reisepass oder die Identitätskarte benötigt. |
Geld: |
In England wird noch nicht mit dem Euro bezahlt. Das Pfund (100 Pence) ist weiterhin Zahlungsmittel. Der Wechselkurs schwankt um SFR 2.43 für £ 1.- ; 1.6 € = 1 £ |
Unterkunft / Verpflegung: |
In England findet man überall die weitverbreiteten, privaten Unterkünfte Bed & Breakfast. Für eine Nacht bezahlt man zwischen 20 und 40 Pfund und ein Hotelzimmer bekommt man für 40 bis 60 Pfund. Für Verpflegung ist überall reichlich gesorgt, ob am Fish & Chips - Stand, im Pub oder in Inn, es ist immer und überall etwas zu finden. |
Sehenswürdigkeiten: |
Beinahe alle Sehenswürdigkeiten sind im Besitz von 'English Heritage' oder 'National Trust'. Bei diesen Institutionen kann man für ein Jahr oder einen Monat Mitglied werden. Eine Jahresmitgliedschaft kostet bei beiden Anbietern £ 31.- ;
www.english-heritage.org.uk
www.nationaltrust.org.uk
Fremdenverkehrsbüro: www.visitbritain.com |
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British Tourist Authority (BTA)
Urlaubsservice Großbritannien
Westendstraße 16-22
D - 60325 Frankfurt am Main
Tel.: 01801-46 86 42
E-mail: gb-info@bta.org.uk |
British Tourist Authority (BTA)
Badenerstr. 21
CH - 8004 Zürich
Tel.: 0844-007 007
E-mail: ch-info@bta.org.uk |
Britain Visitor Centre
c/o British Council
Schenkenstraße 4
A - 1010 Wien
Tel.: 0800-007 007 007
E-mail: a-info@bta.org.uk |
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Literatur: |
Es gibt kaum eine Übersicht über das grosse Angebot an Reiseführern über England. Ich habe mich an den Polyglott Reiseführer 'Südengland‘ und den Marco Polo Reiseführer 'Südengland‘ gehalten. Ich benutzte die Karte von Michelin 1:1000000 Grossbritannien, Irland. |
Der Reisebericht erschien im "TÖFF" 07/2002. Die wirklich gefahrene Route siehst Du unten aufgeführt. Wobei ich aber noch erwähnen möchte, dass ich alleine unterwegs war und man sich viel mehr Zeit dafür nehmen sollte!

Schweizer Motorradmagazin 'TÖFF' Ausgabe 08/2002

Schweizer Motorradmagazin 'TÖFF' Ausgabe 07/2002
Tag |
Route |
|
TagesKM |
GesamtKM |
9. Mai 2002 |
Basel, Belfort, Besançon, Pesmes, Dijon, Avallon, Auxerre, Orlèans, le Mans |
Y |
811 km |
811 km |
10. Mai 2002 |
Fougères, le Mont St. Michel, Contances, Grandcamp Maisy, Caen, Rouen, Dieppe |
H |
659 km |
1470 km |
11. Mai 2002 |
Calais, Dover, Canterbury |
Y |
293 km |
1763 km |
12. Mai 2002 |
Battle (Bodiam Castle), Hastings, Eastbourne (Beachy Head), Portsmouth, Salisbury |
F |
334 km |
2097 km |
13. Mai 2002 |
Bournemouth, Exeter, Dartmouth, Plymouth (Dartmoor) |
Y |
489 km |
2586 km |
14. Mai 2002 |
Lizard, Lands End, Tintagil |
Y |
385 km |
2971 km |
15. Mai 2002 |
Barustaple, Bridgewater (Exmoor), Bath |
Y |
346 km |
3317 km |
16. Mai 2002 |
Avesbury, Uffington, Stonehenge, Glastonbury, Street |
Y |
438 km |
3755 km |
17. Mai 2002 |
Monmouth, Newport, Swansea, Port Eynon |
Y |
319 km |
4074 km |
18. Mai 2002 |
Carmarthen, Synod Inn, Dolgellan, Manchester, Lancaster, Ingleton |
Y |
503 km |
4577 km |
19. Mai 2002 |
Kendal, Whitehaven, Keswick, Carlisle, Chollerford, Wooler |
Y |
473 km |
5050 km |
20. Mai 2002 |
Alnwick, Berwick, Edinbourgh, Perth, Braemar, Inverness, Loch Ness |
Y |
524 km |
5574 km |
21. Mai 2002 |
Dornie, Achnasheen, Gairloch, Laide, Inverness, Spean Bridge, Pitlochry, Stirling |
Y |
632 km |
6206 km |
22. Mai 2002 |
Carlisle, Brighton, London, Dover |
Y |
847 km |
7053 km |
23. Mai 2002 |
Calais, Reims, Nancy, Basel |
Y |
801 km |
7854 km |
F = unter freiem Himmel; H = Hotel; Y = Jugendherberge
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