Weltreise

Bericht 1:

Zuerich bis Kiev 2300 km

Die erste Woche (geschrieben am 24. Aug 2002)

Nun sind wir schon bald eine Woche unterwegs. Die Fahrt durch OEsterreich war gut, von Buchs SG fuhren wir durch Vorarlberg und nach dem Arlberg durch das schoene und bergige Tirol. Wir hatten nicht viel Verkehr, da parallel zu unserer Hauptstrasse eine Autobahn war. Wir genossen die Alpenwelt, die bei Salzburg in eine Huegellandschaft uebergeht. Gegen Linz wird es immer flacher und hier treffen wir dann auch auf die Donau und auch auf das ueberschwemmten Land daneben. Der Donaupegel ist zwar wieder normal, aber wir sehen was das Hochwasser alles angerichtet hat: bis 2 m sind alle Baeume und Buesche mit Schlamm bedeckt, in den Staedten und Doerfchen ist alles Braun, Gaerten gibt es kaum noch und nach den Ortschaften befinden sich die riesen Schutthalden voll Dreck und Abfall, der einmal wertvolles Hab und Gut war.
Wie zur Untermauerung der gewesenen Katastrophe regnet es diesen Tag immer wieder, waehrend wir die letzten Tage sehr schoenes Wetter hatten. Heute kommen wir bis kurz vor Wien. Die Stadt durchfahren wir am naechsten Tag. Ich sehe und erkenne vieles wieder. Wien ist und bleibt eine schoene Stadt, einen Besuch immer wert. Wie zum Dank kommen wir schnell und ohne Verfahrungen durch, nur einmal war der Rat eines Taxifahrers vonnoeten. Die Beschilderung in den oesterreichischen Staedten ist sehr schlecht, wenn man auf die Autobahn verzichten will.
Der 4. Tag ist trocken und ab und zu sehen wir die Sonne. Am slowakischen Zoll erhalten wir die ersten Stempel und es wird per PC kontrolliert, ob die Toeffs unsere sind. Heute finden wir keinen Zeltplatz, wir muessen Morgen unbedingt eine genauere Karte mit den Campings kaufen. Wir fahren in ein Dorf neben der Hauptstrasse und fragen, ob wir neben einem Haus Zelten duerfen; natuerlich duerfen wir im schoenen garten uebernachten und bekommen auch noch Melonen, Eier und Wasser dazu. So wie das Schauspiel mit Astor, dem Cocker Spaniel der Familie, mit seinen blonden Fransen auf dem Kopf sieht er gleichzeitig putzig und daemlich aus. Am Tag darauf, also gestern, lernen wir die halsbrecherische Art des Autofahrens hier in der Slowakei kennen. Wir fahren auf der Hauptstrasse (keine Autobahn daneben) und es hat immer wieder viel Verkehr. Da bleibt kaum Zeit die schoene Landschaft zu bewundern. Man muss sich immer wieder vor entgegenkommenden Autos in Sicherheit bringen; die Devise lautet hier ueberholen und nochmals ueberholen und das an allen Stellen auch bei durchgezogener Linie und Gegenverkehr.
Die Landschaft ist anfangs Slowakei flach mit riesigen Ackerflaechen, Spaeter gibt es einzelne Huegel, die ein paar Kurven in den geraden Strassen versprechen. Fuer Sa und So hat uns ein Toefffahrer, den wir an einer Tankstelle trafen, zu einem Toefftreff an einem See gegen die Grenze zur Ukraine eingeladen. Da das auf unserem Weg liegt wollen wir uns das heute mal ansehen gehen. Apropos Toeff: unsere machen bis jetzt keine Probleme.



Bis nach Kiev (geschrieben am 29. Aug 2002)

Das Toefftreff am See Zemplinska sirana nahe der Stadt Michalovce war eine gute Abwechslung im Riesealltag. Es gab viele Toeffs zu bestaunen, auch alte MZ, Java usw. Es wurden Spiele durchgefuehrt und Burnouts gemacht. Wir zelteten fuer diesen Tag am See selbst, leider konnten, oder wollten, wir nicht baden, er war voll gruenem Plankton.
Der Grenzuebertritt in die Ukraine verlief gut. Man musste nur immer erraten was sie wohl brauchen: Paesse, Fahrzeugausweise, gruene Versicherungskarte. Wir mussten die RahmenNr. an den Toeffs zeigen (wir wussten auch nicht wo die waren). Nach den Zollerklaerungen war es dann nach 1 1/2 bis 2 h geschafft. Wir sind in der Ukraine!
Wir waehlten eine Hauptstrasse 2ter Ordnung durch die Huegel. Die Umgebung dem Fluss Uz entlang mit dem Wechsel von Feldern und Waeldern war bezaubernd, und im starken Kontrast mit dem schrecklichen Fahrbahnbelag, der immer wieder mit heimtueckischen Loechern aufwartete. Wir fanden kein Hotel und kein Zeltplatz, letztere gibt es in der Ukraine eigentlich nicht. So mussten wir wieder Bauern fragen. Beim dritten Versuch gerieten wir an eine liebe Familie, die uns zelten liess und uns auch noch Essen schenkte. Am naechsten Morgen kam der Buergermeister vorbei, der Bruder des Bauern, er sprach deutsch und erzaehlte uns ueber sein Land, Er sammelt Muenzen und erhielt von uns welche. Nach dem Fototermin, dem Adressenaustausch und dem Versprechen mal etwas zu schreiben, fuhren wir spaet los, aber nicht ohne Kartoffeln, Karotten, Pilze und Brunnenwasser.
Durch schoene und einsame Gebiete fuehrte uns das kaputte Straesschen, auf eine Tankstelle kommen wir nicht so bald, aber die Tanks reichen gut aus. Nach vielen Kurven und Huegeln erreichen wir das Flachland, auch hier werden wir bestaunt und beglotzt, wenn wir durch ein Dorf kommen. Bald erreichen wir die Hauptstrasse. Sie ist breit und der Belag besser, so kommen wir schnell voran, die geraden Strecken werden immer laenger bis wir 30 km nur noch geradeaus fahren. Wir sehnen uns in die Huegel. Auch hier sehen wir immer wieder Denkmaehler im Niemandsland, alte Panzer oder Flieger sind aufgestellt und zeugen von anderen Zeiten.
Wir muessen wieder bei Bauern uebernachten und hoffen immer, dass nichts gestohlen wird. Von den Gastgebern aber bestimmt nicht. Sie machen wie selbstverstaendlich ein Sofa fuer uns bereit, auch einen grossen 'Znacht' erhalten wir. Die Menschen hier auf dem Lande sind so arm aber gastfreundlich. Nach einem ausgiebigen Fruehstuck und 2 Konfiglaeser reicher machen wir uns auf den Weg. Wie anders sind doch die Menschen hier in Kiev. Nach vielen km und Schmiergeld fuer die Polizei (wir waren zu schnell und die Busse haette einen Aufenthalt von 3 h nach sich gezogen) erreichen wir naemlich diese Stadt.
Da es spaet ist nehmen wir das naechste Hotel: 110.- pro Nacht (!) fuer ein kleines Zimmer, kaputtes WC, ohne Fruehstueck und sehr unfreundlicher Bedienung. In Kiev haben wir mit den Menschen keine guten Begegnungen. Die Angestellten sind missmutig, unfreundlich und ungeduldig. Sie koennen nicht laecheln.
Wir besichtigen die Stadt, der Stadtkern ist schoen und sehenswert, und suchen ein Hotel. Schon fast verzweifelt finden wir eines in der dreckigen Vorstadt. Das Zimmer kostet nur noch 24.- pro Nacht, hat dafuer kein WC. Jetzt ruhen wir in Kiev ein bisschen aus. wir waschen, putzen und spannen aus. Die Fotos lassen wir entwickeln und besuchen das Internetcafe neben dem Hotel.
Die letzten 10 Tage waren schoen und erlebnisreich. Wir hatten nur an einem Tag regen. Die Ukraine kennen wir nur mit Sonne, aber der Horizont ist durch den milchigen Dunst nie zu sehen. 2300 km sind wir nun von zu Hause und es geht uns gut, ausser vielleicht dem Schnuppen von Aleksa. Die kyrillische Schrift wird uns auch immer vertrauter.

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