Weltreise
zu Bericht 4:
Während unsere DRs warten...
Während unsere treuen DRs in Bangkok auf uns warten, reisen wir neu per Fahrrad durch das völkerbunte Yunnan (Südwestchina) nach Tibet. Die Probleme mit der Polizei wollen nicht aufhören, nicht zuletzt wegen SARS. Unbeschreibliche Berggebiete und höchste Gebirge durchfahren wir auf unserem Weg nach Zentralasien. Nicht nur einmal fehlen uns unsere Suzukis. Nachdem wir unsere unmotorisierten Zweiräder in Kirgistan verkauft haben, reisen wir auf direktem Weg über Pakistan und Indien nach Thailand zurück. In Indien lassen wir es uns natürlich nicht entgehen eine der legendären Enfields zu fahren. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich, wenn dir der Wind um die Ohren braust, der Motor unter dir knattert und die Bremsen kaum zubeissen wenn sie sollten...
Kurzentschlossen nehmen wir zwei Monate Ferien und fliegen zum Jahreswechsel 03/04 in die Schweiz. Anfang 2004 wartet ein grosser Service auf die DRs und die lange Schiffsfahrt nach Australien, zu neuen Abenteuern...
Die töfflose Zeit gibt uns Anlass über allgemeine Motorradfragen nachzudenken:
Motorradauswahl:
Wenn ich nicht sicher bin, wie die Strassen auf meiner Langzeitreise aussehen werden, so wähle ich natürlich eine Enduro, aber da gibt es eine grosse Auswahl. Sie sollte nicht zu gross sein, ich muss das Motorrad beherrschen können, wendig muss es sein, einfach zu reparieren und genug robust. Die heutigen Reiseenduros eignen sich nicht für solche Reisen. Die Suzuki DR oder Yamaha XT ist bestimmt eine gute Wahl, fast 80% aller Langzeitreisenden, die wir getroffen haben, fahren eine dieser zwei Modelle. Die Wahl des richtigen Motorrades ist aber sehr individuell. Sehr wichtig ist einfach, dass ich meine Maschine kenne.
Ein Motorrad um 600 Kubik ist bestimmt nicht schlecht, da dieses nicht zu schwer ist aber genug Leistung erbringt. Georg würde für eine zweite Reise, und andere Reisende haben ihm das ebenfalls schon bestätigt, eine kleinere wählen. Eine 350 bis 500er Enduro ist ausreichend, ja sie hat die wichtigen Vorteile: sie ist wesentlich leichter, hat geringeren Benzinverbrauch, und deshalb meist eine grössere Reichweite, und sie ist viel handlicher.
Motorradprobleme und Pannen:
Neben den üblichen Platten und dem Auswechseln von Gebrauchsteilen wie Pneu, Bremsklötze, Ölfilter und Zündkerzen hatten wir nur ein Mal ein defektes Kugellager, wodurch leider auch der Kettenkit sehr gelitten hatte. Grundlage für eine sorglose Reise ist erstens dass das Motorrad vor der Reise tip top in Ordnung ist, zweitens dass ich nicht allzu verschleissend fahre und drittens dass ich mein Motorrad regelmässig warte - und zwar am besten selbst. Viele Mechaniker aus aller Welt haben noch nie eine Motorrad mit grossem Hubraum gesehen, geschweige denn repariert, hinzu kommt das wichtigste, und das haben wir zu viel in allen Ländern ausserhalb Westeuropas gesehen. Der gelernte oder selbsternannte Mechaniker versucht das Problem zuerst mal mit seinen drei wichtigsten Werkzeugen schnell zu beseitigen. Dabei handelt es sich aber um den kleinen, den mittleren und den grossen Hammer und davon macht er rücksichtslos Gebrauch, so wird mein Problem am Motorrad nur grösser. 80% der technischen Pannen sollte ich selbst beheben können und sonst hilft mir das Werkstatthandbuch oder der Anruf bei meinem Schweizer Mechaniker, bevor ich ganz am Ende um die zweifelhafte Hilfe des örtlichen Mechanikers bitte.
Frau auf Motorradreise:
Was macht es für eine Frau schwieriger mit dem Motorrad auf Langzeitreisen zu gehen? Der Mut, die Überwindung, der Abschied vom Vertrauten oder gar die zu erwartete Entbehrung des Luxus`? Das kann es nicht sein, denn für den Mann ist das alles auch aufzubringen. Ein Problem, das eher bei Frauen auftritt ist die Sitzhöhe der Enduros. Die Frau kann aber bald komfortabel reisen, wenn der Sitz etwas ausgenommen wird und dadurch tiefer liegt, auch ohne das an Weichheit eingebüsst wird. Die Gabel verstellt frau am besten auch noch und stellt evt. das Federbein weicher ein. Frau aber auch man tut gut daran auf die best mögliche Gewichtsverteilung zu achten, das will heissen die schweren Dinge gehören möglichst nahe an den Schwerpunkt und sicher nicht ins Topcase. Viel lässt sich auch mit mehr oder weniger Luftdruck machen. Es ist viel einfacher auf geteerten Strassen und grobsteinigen Naturwegen das Motorrad zu manövrieren, wenn im Pneu mehr Druck ist, dann benötigt man/frau weniger Kraft zu lenken, dafür geht aber die gute Haftung verloren, die man z.B. bei Sand und Kiesstrassen benötigt. Auch wenn wir bedacht sind immer auf Asphaltstrassen zu fahren, so gelangen wir doch unausweichlich auf unbefestigte Wege, wenn wir nämlich abends einen ruhigen Zeltplatz suchen.
Bei einem Paar auf Motorradreise kann es doch mal vorkommen, dass die Frau einfach genug vom Motorradfahren hat, das kommt daher, dass der Mann meistens der Initiator für die Reise oder zumindest für das Motorrad war. Da darf keiner der Beteiligten stur bleiben, sondern man muss einen Mittelweg finden.
Eine Frau, die alleine mit dem Motorrad unterwegs ist, o ja auch das gibt es (!), hat letzeres Problem bestimmt nicht, sie muss sich aber immer bewusst sein, dass es in anderen Ländern alleinfahrende, -stehende, -seiende Frauen nicht gibt, und dass es dort zu Schwierigkeiten kommen kann. Und doch ist es möglich, dass eine Frau in jedes beliebige Land der Erde so reisen kann wie ein Mann.
Die Frage zu Beginn dieses Kapitels ist also nicht berechtigt, denn für einen Mann ist eine solche Reise genauso schwierig wie für eine Frau.
Finanzierung / Geld:
Eine willkommene Unterstützung geben uns unsere Sponsors in Form von Prozenten wie z.B. Frankonia AG (Suzuki Schweiz) auf Motorradersatzteile, Meier Lutziger AG (Hepco&Becker Vertretung) auf Alukoffer, Bucher Walt (GARMIN Vertretung) auf GPS und der Outdoor Spezialist Spatz auf Campingausrüstung. Sonst muss das Ersparte und der Erwerb aus unseren bescheidenen Berichten im TÖFF reichen. Vor der Riese haben wir mit 1000 bis 1500 SFR pro Person und Monat gerechnet. Nun sind wir aber mit etwa der Hälfte ausgekommen, dank den billigen Reiseländern in Asien.
In welcher Form sollte man am besten Geld mit sich führen? Wir haben immer etwa zwischen ein bis zweitausend US Dollar in bar, dann sind noch um die fünf bis achttausend US Dollars in Traveller Cheques bei uns. Solange man in einem Land aber mit Maestro/EC vom Bangkomat (ATM) Geld holen kann machen wir das auch. Die Kreditkarte benützen wir aus Angst vor Missbrauch nur in westlichen Ländern.
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