Weltreise

zu Bericht 3:

Nach den Schlammpisten wieder Parkbussen

Vor dem ueberraschenden Wintereinbruch und der folgenden Kaelte in Zentralasien fliehen wir per Eisenbahn. UEber Westchina folgen wir der Seidenstrasse nach Peking.
Auf der Halbinsel Hailing im Suedchinesischen Meer nehmen wir uns eine Reisepause und erholen uns von den nervlichen Strapazen der anstrengenden Zugreisen, bedingt durch das dreimalige, nicht ganz einfache Verladen der Motorraeder. Uns verschlaegt es an einen idyllisch gelegenen, einsamen Strand. Einmal die Woche fahren wir ins nahe Staedtchen einkaufen und koennen uns dann wieder koestliche Dinge kochen. Vier Wochen geniessen wir die ungestoerte Ruhe bis das Wetter ungemuetlich wird, und wir wie die Nomaden unser Zelt wieder abbrechen muessen. Wir wollen los, Georgs Toeff aber noch nicht. Die Batterie ist voellig leer. Aleksa zieht Georg an, bis die 650er wieder anpringt.
Wir schlaengeln uns durch gruene Huegel und Bambuswaeldern, bis wir in die weltbekannte Kegelberglandschaft um Guilin kommen. Die Berge erinnern einen stark an heraus spriessende Spargeln, sie sind bis oben bewaldet und im Innern befinden sich haeufig verborgene Tropfsteinhoehlen. Wenn wir Glueck haben finden wir einen Platz fuer unser Zelt, denn die Chinesen nuetzen jedes Fleckchen. Morgens beim Hinausfahren staunen die fruehen Feldarbeiterinnen ueber uns und lassen ihre Arbeit kurze Zeit ruhen.
Die Kegelberge begleiten uns wochenlang, der Regen leider auch! Manchmal kommen kilometerlange Baustellen, alles aufgewuehlt: kupferrote Schlammpisten protzen uns entgegen. Das wird hier so, wenn es mal richtig regnet. Was wir nicht kapieren ist, dass die Chinesen ein riesiges Stueck von fuenfzig bis hundert Kilometern aufreissen und verschlammen lassen. Wir haben unsere liebe Muehe, unsere Pneus sind so zugekleistert, dass wir nur driften. Einmal haben wir Glueck, ein hilfsbereiter, sympathischer Chinese fuehrt uns aus dem Schlammassel hinaus, indem er uns auf seinem Motorrad vierzig Kilometer vorausfaehrt und einen besseren Weg zeigt.
Unser Weg fuehrt uns weiter nach Vietnam. Dieses Land bleibt uns leider nicht in so guter Erinnerung, die Menschen hier haben es gelernt aus dem Tourismus den maximalen Profit zu erlangen und das leider mit einer unverschaemten Art. Auch ist der Fahrstil hier der ruecksichtsloseste und gefaehrlichste, den wir je erlebten. Die Meeresbuchten im Norden, die im Dschungel versteckten Ruinen von My Son und die wunderschoene Bergfahrt in Zentralvietnam haben es uns aber sehr angetan.
UEber Laos erreichen wir Thailand, eine ganz andere Welt: Endlich haben wir keine Probleme mehr an der Grenze, wir werden ganz routiniert abgefertigt. Wenn wir eine Pause machen, sammelt sich keine Menschenmenge mehr an und bestaunt uns und unsere Motorraeder. Wir sind verwundert. Thailand erscheint einem Reisenden, der direkt aus dem Westen kommt, vielleicht wie ein Entwicklungsland, uns aber kommt es vor wie in Europa! Es gibt hier wieder grosse Supermaerkte, allerlei Autos und Motorraeder, man kann in Thailand alle westlichen Gueter finden, auch gibt es wieder Lichtsignale und Parkbussen, unvorstellbar!
In Thailand haben wir nicht so guten Kontakt mit den Einheimischen, umso mehr aber mit den Fremden: Einen erlebnisreichen Einblick bekommen wir im Elefantencamp nahe Pattaya dank der Amerikanerin Margo und Thai, ihrem Mann. Eine Woche verbringen wir hier mit diesen lieben Menschen und lernen den turbulenten Alltag im Camp kennen. Wie alle Elefantenreiter gehoert auch Thai dem Stamme der Mohuts an. Sie unterscheiden sich von den Thailaendern durch ihre markanten Gesichtszuegen, den hohen Backenknochen und ihrer sehr dunklen Haut. Dieser Stamm kommt urspruenglich aus einem Gebiet zwischen Kambodscha, Laos und Thailand. Jeder Mohut lernt von klein auf mit Tieren wie Krokodilen, Affen, Schlangen und vor allem Elefanten umzugehen.
Im Brasilianer Paulo haben wir einen echten Freund gefunden, der uns hilft und auf den wir zaehlen koennen.
Die Suzukis haben bis jetzt noch keine groesseren Probleme gemacht. Die vielen Pisten und unbefestigten Strassen fordern doch ihren Tribut: das hintere Radlager der 350er quittiert seinen Dienst und geht langsam in Brueche. Der Kettenkit hat dabei auch gelitten... Das Radlager war schnell gefunden und ausgewechselt aber der Kettenkit wurde schlechter und schlechter. Zum Glueck haben wir da aber Unterstuetzung aus der Schweiz! Dank Frankonia AG in Zuerich erhalten wir bald einen neuen.
Seit Beginn unserer Reise hat sich in der Welt viel getan. Hoeren wir etwas ueber den Krieg oder SARS, dann immer von Menschen von daheim. Dass der Irakkrieg wuetet merken wir hier kaum. Zu weit entfernt geschieht das Unvorstellbare. An der Grenze wurden wir nur mal gefragt, wie wir dazu stehen und einige Einheimische halten alle Weissen ganz selbstverstaendlich fuer Amerikaner.
Wegen der neuartigen Krankheit sind die Menschen hier nicht beunruhigt, die grosse SARS-Panik herrscht in Europa, zumindest schien es uns so.
Fuer die naechsten Monate haben wir uns eine Motorradpause vorgenommen, zu kostspielig waere eine Einreise mit dem Motorrad nach Tibet.


Route:
Kirgistan: Bishkek; Kasachstan: Almaty; China: Urumqi, Peking, Guangzhou, Guilin; Vietnam: Hanoi (umfahren), Vinh, Hue, Danang; Laos: Savannaket; Thailand: Ubon Ratchathani, Chantaburi, Rayong, Pattaya, Bangkok, Chumpon, Phuket, Hat Yai, Kota Bharu (Malaysia), Hat Yai, Bangkok

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